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Datenschutz auf LinkedIn: Was man alles für das Häkchen preisgibt

Geschrieben von Miriam Harringer, veröffentlicht am 16.04.2026

Um sich auf der Business-Plattform LinkedIn als reale Person zu identifizieren, benötigen User in der Regel drei bis fünf Minuten. Viele wollen das blaue Häkchen, damit andere sehen, dass sich hinter diesem Profil kein Bot oder KI-Account versteckt. Die Menge an Daten, die man im Gegenzug preisgibt, ist allerdings beachtlich – und landet am Ende bei einem Drittanbieter. Wir erklären, warum wir das kritisch sehen und welche Option datensparsamer ist.

Was ist das blaue Häkchen bei LinkedIn?

Das blaue Häkchen bei LinkedIn ist ein Verifizierungsabzeichen, das die Authentizität eines Profils bestätigt. Es signalisiert, dass die Identität der Person durch einen offiziellen Partner erfolgreich geprüft wurde. Im Gegensatz zu anderen sozialen Netzwerken dient es primär dazu, das Vertrauen innerhalb des beruflichen Netzwerks zu stärken und die Glaubwürdigkeit gegenüber Recruitingpersonen zu erhöhen.

Wie richtet man das Häkchen ein?

Die Einrichtung des blauen Häkchens erfolgt in der Regel direkt über die LinkedIn-App auf dem Smartphone, da User für den Prozess Hardware-Funktionen wie die Kamera und der NFC-Sensor benötigen. Um die Verifizierung zu starten, navigiert man im eigenen Profil auf die Schaltfläche „Mehr…” oder das Drei-Punkte-Menü und wählt den Punkt „Über dieses Profil“ aus.

Dort leitet man die Identitätsprüfung ein. Es wird ein offizielles Ausweisdokument (z. B. ein Reisepass mit NFC-Chip) gescannt und ein Live-Selfie zum biometrischen Abgleich erstellt.

Alternativ bieten viele Unternehmen ihren Mitarbeitenden die Verifizierung über eine geschäftliche E-Mail-Adresse an, um die aktuelle Betriebszugehörigkeit direkt im Profil zu bestätigen – aus Datenschutzsicht die bessere Alternative. Dieser Prozess ist nach dem Prinzip der Datensparsamkeit konzipiert und erfordert weder biometrische Daten (Gesichtsscan) noch Kopien von Ausweisdokumenten.

Warum ist die Verifizierung auf LinkedIn für User attraktiv?

Die Verifizierung funktioniert wie ein „Echtheitszertifikat”. Es unterstreicht die Professionalität des Profils in einer zunehmend durch KI und Bots geprägten digitalen Arbeitswelt.

  • Höhere Vertrauensrate: Verifizierte Profile erhalten angeblich häufiger Kontaktanfragen.
  • Kostenlose Professionalisierung: Während andere Plattformen für ihre blauen Haken monatliche Gebühren verlangen, ist die LinkedIn-Verifizierung derzeit noch kostenfrei.

Diese Daten geben User preis

Für die Verifizierung ohne geschäftliche E-Mail-Adresse eines Unternehmens verlangt LinkedIn bzw. der jeweilige Prüfpartner „Persona” eine Reihe sensibler Informationen, um die Identität zweifelsfrei zu bestätigen.

Erhebung folgender Daten:

  • Amtliches Ausweisdokument: Sie müssen ein Foto des gültigen Reisepasses (idealerweise mit NFC-Chip) hochladen. Dabei werden Name, Geburtsdatum und die Ausweisnummer erfasst.
  • Biometrische Daten: Während des Prozesses wird ein Live-Selfie (Video-Scan) erstellt. Ein Algorithmus vergleicht die Gesichtszüge mit dem Foto auf dem Ausweis, um sicherzustellen, dass Sie eine reale Person sind.
  • NFC-Daten: Falls Sie einen modernen Reisepass nutzen, werden die verschlüsselten Daten direkt über den Chip des Handys ausgelesen.
  • Berufliche Informationen: Alternativ kann eine Verifizierung über die geschäftliche E-Mail-Adresse erfolgen, wobei LinkedIn lediglich den Zugriff auf dieses Postfach bestätigt, oder über Systeme wie Microsoft Entra, die Ihre Firmenzugehörigkeit verifizieren.

Daten landen bei Drittanbieter

LinkedIn speichert diese Dokumente nicht selbst, die Prüfung wird über den Drittanbieter Persona abgewickelt. LinkedIn kann aber Metadaten behalten (z. B. Verifizierungsstatus). Dienstleister wie Persona stehen jedoch wegen der Speicherung biometrischer Daten und US-amerikanischer Datenschutzgesetze (wie dem CLOUD Act) oft in der Kritik.

Denn die Datenspeicherung bedeutet, dass US-Behörden Zugriff auf die Daten verlangen könnten, selbst wenn diese auf Servern in Europa gespeichert werden.

Geht es auch ohne Häkchen?

Ja, LinkedIn lässt sich auch ohne das blaue Häkchen uneingeschränkt professionell nutzen. Es gibt keine Funktionen, die ausschließlich verifizierten Konten vorbehalten sind. Das Abzeichen ist ein optionales Instrument zur Vertrauensbildung, das in einer Zeit zunehmender KI-Profile als zusätzliche Bestätigung der eigenen Identität dient.

Wer auf die Preisgabe biometrischer Daten an Drittanbieter wie Persona verzichten möchte, kann seine Glaubwürdigkeit ebenso effektiv durch ein gepflegtes Profil, authentische Interaktionen und hochwertige Fachbeiträge untermauern. Außerdem ist das Häkchen nicht permanent. Wenn man die Stelle wechselt (bei E-Mail-Verifizierung) oder der Ausweis abläuft, müssen User den Prozess nach einiger Zeit (oft 1–2 Jahre) wiederholen.

Empfehlung

Die größte Kritik gilt der Erhebung biometrischer Informationen durch US-amerikanische Drittanbieter wie Persona, da diese Daten bei Sicherheitsvorfällen nicht wie ein Passwort geändert werden können und unter den CLOUD Act fallen.

Wir als Datenschutzexperten empfehlen daher, sofern verfügbar, die Verifizierung über die geschäftliche E-Mail-Adresse oder Systeme wie Microsoft Entra zu bevorzugen. User müssen hierbei keine Ausweis-Scans oder Gesichtsprofile erstellen.

Wer den Prozess schon durchlaufen hat, kann im Nachgang von seinem Recht auf Löschung der Daten gemäß Art. 17 DSGVO beim Identitätsdienstleister Persona Gebrauch machen, um den digitalen Fußabdruck so klein wie möglich zu halten.

So geht’s

Verfassen Sie eine formlose E-Mail an privacy@withpersona.com oder idv-privacy@withpersona.com, um die vollständige Entfernung der personenbezogenen Daten (Passport-Scan und Selfie-Daten) zu erbitten. Da das Ergebnis der Verifizierung bereits an LinkedIn übermittelt wurde, bleibt das blaue Häkchen im Profil in der Regel bestehen, während der „digitale Fußabdruck“ beim Drittanbieter minimiert wird.

Tipp zum Weiterlesen:

Ein ausführlicher Erfahrungsbericht zur Verifizierung, im Original auf Englisch.

Sprechen Sie uns gerne an, bei Fragen zu Datenschutz auf LinkedIn: Was man alles für das Häkchen preisgibt

Kemal Webersohn

Geschäftsführung
Christian Scholtz

Christian Scholtz

Geschäftsführung