Digitalzwang im Alltag: Auch ein Compliance-Thema – nicht nur ein Gesellschaftsproblem
Geschrieben von Miriam Harringer, veröffentlicht am 24.02.2026Zahlreiche Alltagsleistungen setzen digitale Tools voraus: Parken per App, Arzttermin-Portale, Bonusprogramme oder Online-Services ohne analoge Alternative. Der hessische Datenschutzbeauftragte Alexander Roßnagel warnt in diesem Kontext vor zunehmendem Digitalzwang, der Menschen ausschließt und Diskriminierung begünstigt. Das kann sich auch auf die Arbeitswelt auswirken – warum, erklären wir in diesem Beitrag.
Beschäftigte sind verschieden digitalaffin
Für Unternehmen bringt das zusätzlich zur sozialen Debatte weitere Herausforderungen mit sich: Denn Digitalzwang kann direkt in die Arbeitswelt hineinwirken. Auch Beschäftigte sind unterschiedlich digitalaffin.
Wer generell digitale Prozesse nicht sicher bedienen kann, hat in der Regel Schwierigkeiten, Datenschutzrisiken richtig einzuschätzen – etwa bei Online-Einwilligungen, App-Berechtigungen, Tracking oder der Eingabe sensibler Daten in Portale.
Besonders relevant ist das, wenn Beschäftigte im beruflichen Kontext mit personenbezogenen Daten arbeiten – wie in etwa Personal-, Kundendaten oder sogar solche besonderer Kategorien wie Gesundheitsdaten. Bei Letzteren gelten erhöhte Anforderungen nach Art. 9 DSGVO.
Auftrag für Unternehmen für bestimmte Personengruppen
Für Unternehmen folgt daraus ein klarer Auftrag: Digitale Prozesse müssen sowohl für Beschäftigte als auch für Internetuser verständlich, barrierearm entsprechend des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes und datenschutzkonform gem. DSGVO gestaltet werden – und einige Beschäftigte brauchen möglicherweise konkrete Aufklärung in diesen Bereichen statt nur Richtlinien.
Wie viele betrifft das eigentlich?
Das könnte nicht wenige Personengruppen betreffen. Statistiken zufolge besitzen vier bis fünf Prozent der Erwachsenen in Deutschland keinen Internetanschluss und/oder keine E-Mail-Adresse. Circa 18 % haben kein Smartphone, das lässt sich aus veröffentlichten Informationen des Bitkom herauslesen. (Seniorinnen und Senioren inbegriffen, die für die Arbeitswelt dann hier nicht relevant sind.)
Auch ein Blick in den eigenen Bekannten- oder Kollegenkreis zeigt schnell: Wenn schon die Nutzung von Park-Apps eine Hürde darstellt, überrascht es kaum, dass online Arzttermine buchen und andere Online-Services für einige gar kein Thema sind. Übertragen auf die Arbeitswelt könnte das bedeuten, dass Beschäftigte – ohne zu wissen – Daten nicht DSGVO-konform händeln oder gar unbedacht weiterleiten.
Passgenaue Angebote müssen her
Da aber Alltag und Berufsprofile immer digitaler werden, vermehrt ohne analoge Alternativen, wird dieses gesamtgesellschaftliche Thema weiterhin sehr relevant bleiben. Denn wer heute noch Digital Native ist, wird eventuell zukünftig von den „AI Natives“ überholt – es betrifft in diesem Sinne immer die jeweils älteren Generationen oder die wenig digital Affinen.
Institutionen und Unternehmen müssen vermehrt darauf achten, passgenaue Aufklärungsangebote und Hilfestellungen zum Thema Digital-Compliance für Ihre Beschäftigten bereitzustellen. Vor allem für die, die sich bisher mit dem Digitalen wenig auskennen.
Sprechen Sie uns gerne an, bei Fragen zu Digitalzwang im Alltag: Auch ein Compliance-Thema – nicht nur ein Gesellschaftsproblem


Miriam Harringer,
Medien- und Kulturmanagerin sowie Redakteurin.
Auf unserem Blog schreibt sie Artikel für die Themenbereiche Datenschutz, Informationssicherheit und Künstliche Intelligenz.
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