Welche Daten sammeln VR-Brillen für welche Zwecke?
Geschrieben von Miriam Harringer, veröffentlicht am 20.05.2026Unternehmen, die VR-Brillen anbieten, sammeln Nutzerdaten hauptsächlich für den Betrieb der Systeme, zur Weiterentwicklung sowie für Personalisierungs- und Marketingzwecke. Es handelt sich bei diesen Daten vor allem um Bewegungsprofile unseres Körpers und unserer Verhaltensweisen. Wir klären auf, welche Daten das konkret betrifft und wie man VR-Brillen datensparsamer nutzen kann.
Welche Daten sammeln VR-Brillen?
VR-Brillen versprechen immersive Erlebnisse – sie tauchen Nutzende tief in digitale Welten ein. Gleichzeitig erfassen sie eine Vielzahl hochsensibler Daten. Diese Daten gehen weit über klassische Nutzungsinformationen hinaus und geben tiefe Einblicke in Verhalten, Vorlieben und körperliche Reaktionen.
Typische Datenkategorien sind:
- Bewegungsdaten: Kopf-, Hand- und Körperbewegungen in Echtzeit
- Eye-Tracking-Daten: Blickrichtung, Fokus, Pupillenbewegungen
- Raumdaten: Informationen über Ihre Umgebung (z. B. Raumgröße, Möbel)
- Interaktionsdaten: Wie Sie sich in der virtuellen Welt bewegen und entscheiden
Für welche Zwecke sammeln VR-Brillen meine Daten?
Die Datennutzung erfolgt für die Funktionen des Systems selbst. Aber auch für die folgenden drei Zwecke:
- Produktverbesserung: Optimierung von Software, Steuerung und Nutzererlebnis
- Personalisierung: Anpassung von Inhalten, Werbung und virtuellen Umgebungen
- Marketing und Monetarisierung: Erstellung von Nutzerprofilen für zielgerichtete Werbung
Was sagen die Daten eigentlich über mich als Person aus?
Bewegungs- und Blickdaten beispielsweise ermöglichen Rückschlüsse auf die eigenen Interessen und Vorlieben, auf Reaktionsmuster und Entscheidungsverhalten. Sie verraten Informationen über emotionale Zustände wie Stress oder Aufmerksamkeit. Hinzu kommen körperliche Merkmale und Gewohnheiten. In Kombination entstehen bei der Verwendung von VR-Brillen damit detaillierte Persönlichkeitsprofile.
Zählen solche Bewegungsmuster zu biometrischen Daten?
Nach Art. 4 Nr. 14 der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) sind biometrische Daten solche, die durch spezielle technische Verfahren gewonnen werden und eine eindeutige Identifizierung einer Person ermöglichen (z. B. Gesichtserkennung, Fingerabdruck).
Bewegungsmuster können biometrische Daten sein, wenn sie gezielt zur Identifizierung eingesetzt werden. Entscheidend ist der Zweck der Verarbeitung.
Für Bewegungsdaten aus VR gilt daher:
- Kein biometrisches Datum, wenn die Daten nur für Steuerung, Gameplay oder allgemeine Analyse genutzt werden (z. B. „Nutzende bewegen sich so und so“).
- Biometrisches Datum, wenn die Bewegungsmuster gezielt genutzt werden, um eine Person wiederzuerkennen oder eindeutig zu identifizieren (z. B. individueller „Gang“, typische Handbewegungen als Identifikator).
VR-Bewegungsprofile haben ein hohes Potenzial, biometrisch zu werden. Verarbeitet ein System viele individuelle Körperdaten (Gang, Größe, Augenbewegung), kann der Mensch zu einem biometrischen Datum werden, sofern durch Kombination dieser Daten eine bestimmte Person von anderen unterschieden und dadurch unmittelbar oder mittelbar identifiziert werden kann. Biometrische Merkmale wie Fingerabdrücke, Iris-Muster oder Gesichtsstrukturen sind biologisch festgelegt und ändern sich nicht. Sie sind einzigartig, unveränderlich und untrennbar mit der Person verbunden. Das ist der Grund, warum sie schwerer zu anonymisieren sind.
Sobald Anbieter diese Daten zur Identifizierung einsetzen (oder einsetzen könnten), greifen die strengeren Regeln für besondere Kategorien personenbezogener Daten nach Art. 9 DSGVO.
Daten bei Nutzung von VR-Brillen schützen – so geht’s
Datenschutz bei VR-Brillen beginnt bei den Einstellungen:
- Tracking-Funktionen einschränken, wenn möglich (z. B. Eye-Tracking deaktivieren)
- Datenschutzeinstellungen prüfen und personalisierte Werbung ausschalten
- Nur notwendige Apps installieren und Berechtigungen bewusst vergeben
- Regelmäßige Updates durchführen, um Sicherheitslücken zu schließen
- Offline-Modi nutzen, sofern verfügbar
Es lohnt sich, die Datenschutzhinweise der Anbieter genau zu lesen – hier zeigt sich, welche Daten tatsächlich verarbeitet werden.
Datensparsamkeit bei VR-Brillen – geht das?
Ja, aber eingeschränkt. VR-Technologie lebt von Daten, denn ohne Tracking funktionieren viele Anwendungen schlicht nicht. Dennoch lässt sich die Datensammlung in der Praxis reduzieren, etwa durch die bewusste Auswahl datenschutzfreundlicher Anbieter, den Verzicht auf optionale Features oder – sofern möglich – die Nutzung ohne Nutzerkonto.
Die Verbraucherzentrale rät online unter anderem, “zunächst alle Anfragen zur Erfassung Ihrer Daten oder zum Zugriff auf Sensoren abzulehnen”. Zudem sind User nicht dazu gezwungen, Avatare entsprechend ihrem realen Aussehen zu gestalten oder echte Namen zu verwenden. Pseudonyme und minimale Datenangaben der Nutzer helfen dabei, die eigene Person so schwer wie möglich über diese Daten zu identifizieren. Auch von Verknüpfungen mit anderen Accounts wie Google oder Fitness-App rät die Verbraucherzentrale ab.
Tipp zum Weiterlesen bei der Verbraucherzentrale
Fazit: Nutzen Sie die Optionen zur Datensparsamkeit
VR-Brillen eröffnen neue digitale Welten – gleichzeitig liefern sie tiefe Einblicke in Ihr Verhalten und Ihre Persönlichkeit. Die gesammelten Daten gehen weit über klassische Nutzungsdaten wie bei Website-Trackings hinaus und können biometrischen Charakter haben. Wer VR nutzt, sollte sich dieser Tragweite bewusst sein und die vorhandenen Datenschutzoptionen ausschöpfen.
Sprechen Sie uns gerne an, bei Fragen zu Welche Daten sammeln VR-Brillen für welche Zwecke?


Miriam Harringer,
Medien- und Kulturmanagerin sowie Redakteurin.
Auf unserem Blog schreibt sie Artikel für die Themenbereiche Datenschutz, Informationssicherheit und Künstliche Intelligenz.
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