AWS European Sovereign Cloud: Echte Datensouveränität oder nur Marketing?
Geschrieben von Kemal Webersohn, veröffentlicht am 28.01.2026AWS hat seine „European Sovereign Cloud“ (ESC, übersetzt: Souveräne Cloud-Infrastruktur für Europa) gestartet, um Bedenken hinsichtlich des Datenschutzes und US-Zugriffen zu zerstreuen. Wir analysieren, was hinter dem neuen Angebot des größten Hyperscalers steckt.
Was unterscheidet die neue AWS-Cloud vom bisherigen Angebot?
Amazon Web Services (AWS) reagiert auf die wachsende Nachfrage nach digitaler Souveränität in Europa. Die neu gestartete ESC ist technisch, physisch und organisatorisch vollständig von der globalen AWS-Infrastruktur abgekoppelt. AWS verspricht dabei, dass der Betrieb ausschließlich durch Mitarbeitende mit Wohnsitz in der EU erfolgt. Selbst der für den Betrieb notwendige Quellcode liegt in Europa, um die Resilienz gegen externe Verbindungsabbrüche zu gewährleisten.
Diese Maßnahmen sollen sicherstellen, dass personenbezogene Daten den europäischen Rechtsraum nicht verlassen und vor Zugriffen aus Drittstaaten (z.B. USA) geschützt sind.
Warum ist digitale Unabhängigkeit gerade jetzt so wichtig?
Der Start der ESC erfolgt in einer politisch angespannten Phase. Mit der US-Administration unter Donald Trump wachsen in Europa die Bedenken bezüglich der Datensicherheit bei US-Anbietern. Die Gefahr durch den US „Cloud Act“, der US-Behörden Zugriff auf Daten von US-Unternehmen auch im Ausland ermöglicht, steht im Konflikt mit dem Schutz personenbezogener Daten von EU-Bürgerinnen und Bürgern durch die DSGVO. Der US CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) trat am 23. März 2018 in Kraft. Er wurde von Präsident Donald Trump unterzeichnet, nachdem er als Teil eines größeren Haushaltsgesetzes vom Kongress verabschiedet worden war.
Da die Übermittlung personenbezogener Daten in Drittländer nur unter strengen Voraussetzungen gemäß Art. 44 DSGVO ff. zulässig ist, suchen viele europäische Unternehmen nach Lösungen, die die Leistungsfähigkeit von Hyperscalern bieten, ohne Compliance-Risiken durch Datentransfers in die USA einzugehen. Bundesdigitalminister Karsten Wildberger begrüßt den Schritt zwar, betont aber weiterhin das Ziel, auch rein europäische Anbieter zu stärken.
Was sagen Experten und das BSI zur Sicherheit?
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeigt sich vorsichtig optimistisch. BSI-Präsidentin Claudia Plattner bezeichnet Angebote wie die AWS Sovereign Cloud als „Zukunft der Hyperscaler in Europa“. Das BSI hat die Konzeption begleitet und kündigt eine enge Überwachung der Sicherheitsmerkmale an.
Kritik bleibt jedoch bestehen:
- Wohnsitz vs. Staatsbürgerschaft: AWS setzt auf Mitarbeitende mit EU-Wohnsitz, während das BSI für höchste Sicherheitsstufen oft die Staatsbürgerschaft als Kriterium heranzieht.
- Mutterkonzern: Trotz lokaler Strukturen bleibt AWS ein US-Konzern. Kritiker warnen vor „Souveränitätswashing“ und bezweifeln, ob eine organisatorische Trennung im Ernstfall gegen Anordnungen aus Washington standhält.
Fazit
Die AWS European Sovereign Cloud ist ein wichtiger Schritt für den Digitalstandort Europa und bietet neue Optionen für Unternehmen, die auf US-Hyperscaler angewiesen sind. Dennoch entbindet das Label „Sovereign“ Verantwortliche nicht von der Pflicht zur genauen Prüfung. Eine echte rechtliche Unabhängigkeit vom US-Mutterkonzern bleibt eine Grauzone.
Als Datenschutzexperten empfehlen wir weiterhin, bei der Nutzung von US-Cloudanbietern – auch in „souveränen“ Varianten – ein Transfer Impact Assessment (TIA) durchzuführen und genau zu prüfen, ob die technischen Garantien für die personenbezogenen Daten, für deren Sicherheit Sie verantwortlich sind, ausreichen.
Sprechen Sie uns gerne an, bei Fragen zu AWS European Sovereign Cloud: Echte Datensouveränität oder nur Marketing?


Kemal Webersohn,
Geschäftsführer der WS Digital Compliance GmbH und seit über zehn Jahren im Datenschutz und in der Informationssicherheit tätig.
Er schreibt außerdem auf unserem Blog zu Themen rund um Datenschutz, Informationssicherheit und die KI-Verordnung.
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