Digitale Souveränität: Frankreich ersetzt US-Plattformen
Geschrieben von Kemal Webersohn, veröffentlicht am 19.02.2026Frankreichs Regierung plant einen drastischen Schritt für mehr digitale Souveränität. Unser Nachbar ersetzt US-amerikanische Videokonferenz-Plattformen durch eine europäische Lösung. Dieser Artikel beleuchtet die Hintergründe der Entscheidung.
Warum verbannt Frankreich Microsoft Teams und Zoom?
US-Anbieter dominieren den europäischen Markt für digitale Kommunikation. Der französische Minister David Amiel gab im Januar 2026 jedoch bekannt, dass staatliche Behörden in Frankreich US-Anbieter von Videokonferenztools bis zum Jahr 2027 durch europäische Alternativen ersetzen wollen.
Die Regierung begründet diesen Schritt mit Sicherheitsbedenken und dem Schutz der Vertraulichkeit öffentlicher Kommunikation. Denn US-Gesetze wie der Cloud Act können amerikanische Unternehmen im Zweifelsfall dazu zwingen, Nutzerdaten von EU-Bürgern herauszugeben.
Eine wesentliche Schwachstelle ist dabei zudem die mangelhafte Ausstattung des amerikanischen Kontrollorgans, des Privacy and Civil Liberties Oversight Board (PCLOB). Das Organ arbeitet derzeit unterbesetzt und geschwächt, wodurch eine wichtige Kontrollinstanz für den Datenschutz auf US-Seite fehlt.
Hinzu kommt das aktuell volatile Verhältnis zwischen Europa und den USA. Europäische Regierungen befürchten zunehmend eine starke Abhängigkeit. Denn bei der digitalen Kommunikation verlassen wir uns aktuell auf einen Partner, der im Ernstfall eigene Interessen priorisiert.
Welche Alternative nutzt der französische Staat stattdessen?
Die französische Verwaltung führt die eigene Plattform „Visio“ ein. Diese Software basiert auf Open-Source-Technologie und läuft auf einer europäischen Cloud-Infrastruktur. Die Lösung bietet entscheidende Vorteile:
- Hohe Datensicherheit durch lokales Hosting auf einer souveränen Cloud
- Einhaltung strenger europäischer Datenschutzstandards
- KI-gestützte Funktionen wie Transkription direkt auf eigenen Servern
Fazit
Frankreich folgt mit diesem Schritt dem Beispiel der Schweiz, die in staatlichen Behörden bereits auf Microsoft 365 verzichtet. Abzuwarten bleibt, wie wir in Deutschland auf die Entscheidungen unserer europäischen Nachbarn reagieren.
Sprechen Sie uns gerne an, bei Fragen zu Digitale Souveränität: Frankreich ersetzt US-Plattformen


Kemal Webersohn,
Geschäftsführer der WS Digital Compliance GmbH und seit über zehn Jahren im Datenschutz und in der Informationssicherheit tätig.
Er schreibt außerdem auf unserem Blog zu Themen rund um Datenschutz, Informationssicherheit und die KI-Verordnung.
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