Ohne Einheit droht Chaos: Warum KI-Regeln transatlantisch werden müssen
Geschrieben von Laura Stöhr, veröffentlicht am 07.10.2025Mit dem EU AI Act hat Europa 2024 ein starkes Zeichen gesetzt. Zum ersten Mal gibt es ein umfassendes, verbindliches Regelwerk für Künstliche Intelligenz. Es schafft klare Vorgaben für Sicherheit, Transparenz und Verantwortung vor allem für die besonders mächtigen „Frontier Models“ wie GPT-4. Die Botschaft ist deutlich: KI darf nicht nur Innovation antreiben, sie muss auch kontrolliert und sicher bleiben.
Kalifornien, Herz der weltweiten KI-Industrie, steht nun vor einer wichtigen Entscheidung. Ohne gemeinsame Standards droht ein Flickenteppich an Vorschriften, bei dem jeder Bundesstaat eigene Regeln aufstellt. Das würde Innovation bremsen und das Vertrauen der Öffentlichkeit schwächen.
Genau deshalb fordert OpenAI in einem offenen Brief an Gouverneur Gavin Newsom, dass Kalifornien den europäischen Ansatz aufgreift und internationale Standards anerkennt. Unternehmen, die bereits den EU Code of Practice oder US-Initiativen wie das Center for AI Standards and Innovation erfüllen, sollten automatisch als regelkonform gelten.
Aktueller Stand in Kalifornien
Kalifornien prüft derzeit mehrere Gesetzesvorhaben, darunter Transparenzpflichten, Regeln für automatisierte Entscheidungsverfahren und Anti-Diskriminierungsmaßnahmen im KI-Bereich.
Einige Initiativen, wie der „Safe and Secure Innovation for Frontier Artificial Intelligence Models Act“ (SB 1047), wurden bereits abgelehnt oder angepasst. Gouverneur Newsom betont, dass Regulierung sorgfältig erfolgen muss, um Sicherheit und Transparenz zu gewährleisten, ohne die Innovationskraft des Bundesstaates zu bremsen.
Perspektive und Einschätzung
Die Empfehlung von OpenAI ist bisher eine politische Anregung, kein verbindliches Gesetz. Sie signalisiert jedoch das Interesse der Industrie an einer Harmonisierung transatlantischer KI-Standards.
Eine Annäherung an einheitliche Regeln bleibt realistisch, erfordert aber die Abstimmung zwischen Politik, Wirtschaft und technischen Experten. Denn einheitliche Standards sind nicht nur eine Frage der Sicherheit, sondern auch der Wettbewerbsfähigkeit: Gerade Start-ups und kleinere Entwickler würden unter doppelten Prüfungen und überbordender Bürokratie leiden. Am Ende profitieren dann nur die großen Konzerne; ein Szenario, das die Innovationskraft der Branche insgesamt gefährdet.
Europa hat mit dem AI Act gezeigt, dass Regulierung kein Hemmschuh ist, sondern die Grundlage für verantwortungsvollen Fortschritt. Das Gesetz steht für Sicherheit, Transparenz und demokratische Werte.
Kalifornien hat nun die Chance, diese Richtung einzuschlagen und gemeinsam mit Europa einen transatlantischen Standard zu schaffen. Klare, einheitliche Regeln stärken das Vertrauen bei Bürgerinnen und Bürgern, Unternehmen und Investoren. Wer jetzt weiterhin zögert, riskiert nicht nur Chaos, sondern auch den Verlust von technologischem Vorsprung.
Veröffentlicht am 3. Oktober 2025
Sprechen Sie uns gerne an, bei Fragen zu Ohne Einheit droht Chaos: Warum KI-Regeln transatlantisch werden müssen


Laura Stöhr,
Juristin mit Schwerpunkt Datenschutzrecht. Sie unterstützt unsere Consultants durch wissenschaftliche Arbeit zu aktuellen rechtlichen Fragestellungen.
Auf unserem Blog schreibt sie über Themen rund um Datenschutz, die KI-Verordnung und Informationssicherheit.
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